The Now Habit

The Now Habit von Neil Fiore ist ein Selbsthilfebuch, um Aufschieberitis zu verstehen und zu überwinden.

Aufschieberitis (in schick: „Prokrastination“) ist ein Mechanismus, mit dem wir unsere Angst bewältigen, die im Zusammenhang mit dem Anfangen oder Beenden einer Aufgabe steht. Niemand ist auf allen Gebieten „faul“. Sie mögen das nächste Kapitel Ihres Romans nicht anfangen können, aber dennoch den aufgegebenen Lesestoff für Ihr Uniseminar durchackern.

Ein guter Anfang, um Aufschieberitis in den Griff zu bekommen, ist ein Aufschieberitistagebuch zu führen, in dem Sie Zeit, Aufgabe, Ihre Gedanken und Gefühle, Ihre Ausrede, Ihre Startversuche und Ihre daraus resultierenden Gedanken und Gefühle niederschreiben.

Der übliche Aufschieberitis-Teufelskreis sieht so aus:

  • Sie lassen die aktuelle Aufgabe Ihre Stimmung und Ihr Selbstwertgefühl beeinflussen
  • Sie wollen die Aufgabe meistern, nicht nur erledigen, damit Ihr Perfektionismus befriedigt wird. Indem Sie die Erfolgslatte so hoch legen, erhöhen Sie aber die Wahrscheinlichkeit zu scheitern.
  • Sie fürchten, daß Sie die eigenen Erwartungen nicht erfüllen können und erstarren.
  • Sie vermeiden das Problem durch Aufschieben
  • Kurz vor der Deadline müssen Sie etwas tun. Sie tun es, aber nicht so gut, wie es in der zur Verfügung stehenden Zeit hätten tun können.

Der erste Schritt zur Abwehr der Aufschieberitis ist, Sicherheit zu schaffen. Ein Fehlschlag darf nicht das Ende der Welt sein. Sie müssen im Kopf behalten, daß viele sehr erfolgreiche Menschen große Fehlschläge erlitten haben. Ihr Wert als Mensch hängt nicht von der Aufgabe ab.

Eine Möglichkeit, den gefühlten Druck zu verringern, ist, auf Ihre Sprache zu achten. Vermeiden Sie „ich muß“ und „ich sollte“. Versuchen Sie, in Formen von „ich möchte“, „ich entscheide mich“ und „ich beschließe“ zu denken.

Ein „sollte“ bedeutet, daß Sie mit einer Situtation unzufrieden sind und etwas daran ändern möchten. Es bedeutet nicht, daß sie die Realität blöd finden und sich beschweren.

„Ich muß fertig werden“ ist kein hilfreicher Gedanke. Ein besserer Gedanke lautet „wann kann ich anfangen?“. Versuchen Sie, Dinge zumindest teilweise zu erledigen, lange bevor die Deadline droht.

Teilarbeiten sind ein wichtiger Aspekt: Sie müssen ein großes Projekt nicht auf einen Schlag erledigen. Nehmen Sie sich einen kleinen, handhabbaren Teil vor und schließen Sie diesen ab. Das Projekt mag groß sein, aber es kann in kleinen Teilschritten fertiggestellt werden. Schreiben Sie einen ersten Entwurf. Oder ein Testkapitel. Möglicherweise hilft es Ihnen, einen ersten Entwurf bewußt schlampig zu formulieren und später zu überarbeiten.

„Ich muß perfekt sein“ ist unmenschlich. Sie dürfen Mensch sein. Lernen Sie von Fehlern, respektieren Sie Grenzen. Kritisieren Sie sich nicht selbst übermäßig. Haben Sie Mitgefühl mit sich selbst.

Nehmen Sie sich etwas Zeit frei. Freunde, Freizeit, Ihr Partner. Diese sind wichtig und gesund. Bauen Sie Freizeit und Sport in Ihren Terminkalender ein. Lassen sie diese nicht Nebenüberlegungen sein für „wenn mal Zeit ist“.

Stellen Sie sich das konkrete Ziel und die Belohnung vor. Lassen Sie diese Vorstellung Sie vorwärtsziehen. Stellen Sie sich nicht den langen Weg zum Ziel vor, stellen Sie sich den langen Weg vor, den Sie bereits zurückgelegt haben.

Lassen Sie sich nicht überwältigen. Sie müssen nicht den perfekten Anfang kennen. Sie können sich Zeit nehmen, um zu lernen und ein Sicherheitsgefühl aufzubauen. Reden Sie Ihre Erfolge und Ihren Fortschritt nicht schlecht.

Planen Sie rückwärts und erfinden Sie lauter kleinere Deadlines. Beginnen Sie mit der von außen auferlegten Deadline. Planen Sie dann rückwärts, was bis dahin geschafft sein muß. Planen Sie Zwischenschritte mit eigenen kurzen Deadlines.

Kanalisieren Sie ihre Energie in Handlungen, die die Gefahren beseitigen, die sich fürchten.

Spielen Sie den schlimmsten Fall durch. Was ist das Schlimmste, was Ihnen passieren kann? Stellen Sie sich vor, was Sie in dieser Situation tun könnten. Gibt es Alternativen? Gibt es gar auch Vorteile? Wie können Sie die Wahrscheinlichkeit verringern, daß der schlimmste Fall eintritt?

Manchmal arbeiten Leute ziemlich gut und produktiv an ihren Aufgabenm aber sie scheinen nie fertig zu werden. Eine fast beendete Aufgabe zu verlängern kostet auch Energie. Stecken Sie diese Energie ins Fertigmachen und ernsten Sie die Belohnung.

Übermäßige Vorbereitung ist auch nur Aufschieben. Begrenzen Sie die Vorbereitung und fangen Sie dann an. Wenn Sie wirklich mehr VOrbereitung benötigen, merken Sie das später noch.

Seien Sie von scheinbar fehlendem Fortschritt am Anfang einer Aufgabenbearbeitung nicht entmutigt. Der Anfang ist oft der schwierigste und langwierigste Teil. Die dort aufgewendete Zeit ist nicht verloren, Sie haben nun ein besseres Verständnis für das Problem und Ihre Aufgabe.

Die Angst, daß die Anforderungen an Sie immer weiter steigen, wenn Sie ihre Aufgabe erfolgreich abschließen, ist irrational. Sie werden auch später noch ein Stück Autonomie besitzen, um eine informierte Entscheidung zu fällen. Machen Sie sich nicht jetzt deswegen verrückt.

Wenn Sie glauben, mehr Zeit zu brauchen: sind Sie sich sicher, daß da nicht nur Ihr Perfektionismus spricht? Nicht alles muß hochglanzpoliert sein. Wägen Sie Kosten und Nutzen gegeneinander ab.

Nutzen Sie den „Unkalender“. Der Unkalender ist wie ein Terminkalender, aber als erstes tragen Sie Blöcke für Freizeit und Erholung ein. Erst danach tragen Sie Ihre Aufgaben ein, und auch nur, nachdem Sie bereits eine halbe Stunde ohne Unterbrechung daran gearbeitet haben. Das gibt Ihnen eine realistische Übersicht wie viel Arbeit Sie wirklich angehen können. Aufgaben werden niemals geplant, nur im Nachgang dokumentiert.

Streben Sie dreißig Minuten ununterbrochene, und hochqualitative Arbeit an. Nehmen Sie nach diesem Block eine Pause.

Rückschläge sind unvermeidbar. Nehmen Sie sie wahr. Beobachten Sie sich selbst. Wie waren Ihre Gefühle und Gedanken? Warum sind Sie in alte Muster zurückgefallen? Planen Sie, wie Sie dem künftig entgegenwirken.

Lassen Sie Ziele fallen, die in naher Zukunft weder erreicht, noch begonnen werden können. PLanen Sie um und planen Sie diese zu einem späteren Zeitpunkt ein. Lassen Sie Ziele nicht ohne Möglichkeit voranzukommen auf Ihrem Aufgabenberg.

Wunderschön illustrierte Kinderbücher

2015 schrieb DanBC in Hacker News:

2) I buy many books for my child. Amazon is pretty hopeless at recommending books to me, even though I’ve seeded it with knowledge of the books I’ve bought. So I turn to human curation: the Kate Greenaway medal focuses on excellent illustration in books for children. That list is an excellent source for books. Then one or two degrees of separation (eg, other books the illustrator has worked on, or other books the author of the winning book has written) get you hundreds of excellent books. Someone scraping this list and using affiliate links could probably make a bit of passive income.

Ich bin endlich dazu gekommen, etwas in der Art auf die Beine zu stellen: https://www.schoene-kinderbuecher.de.

Dabei habe ich mit der englischen Kate-Greenaway-Medal und der Caldecott-Medal, dem amerikanischen Gegenstück, begonnen. Leider sind viele oder gar die meisten dieser Bücher nie ins Deutsche übersetzt worden.

Ebenso habe ich Preisträgerlisten einiger deutschsprachiger Preise durchforstet. Die Evangelische Kirche hat ein oder zwei Preise auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendbuchliteratur, das Land Nordrhein-Westfalen hat einen weiteren.

Alles habe ich von Hand gemacht, und es hat viel länger gedauert, als ich erwartet hatte: Preislisten durchsehen, die Autoren- und Illustratoreninformationen sammeln, den Inhalt erfassen, HTML und CSS schreiben. Alles ohne Deep Learning und Neuronale Netze…

Was ist dabei gelernt habe:

  • Menschen blockieren Werbung. Auch ich blockiere Werbung. Und da wundere ich mich, wieso die Amazon-Affiliate-Links nicht funktionieren. Bis ist an uBlock Origin dachte. Und dann an Privacy Badger. Und an meinen Pi-Hole.
    Ich habe das dann so gelöst, daß ich die Titelbilder heruntergeladen und selbst gehostet habe. Nach Amazons Vertragsbestimmungen darf ich höchstens 100 Bilder downloaden. Ich habe 66. Also nichts mit „hunderte Bücher“, wie DanBC schrieb.
    (Zunächst wollte ich das komplett werbefrei machen, zumal ich ohnehin kaum Einnahmen erwartete, aber all die Verleger anschreiben und um Nutzungsrechte für Titelbilder bitten? Nein danke, dann lieber die harschen Restriktionen von Amazon Partnernet, aber dafür auch Pauschalrechte.)
  • Webdesign ist eine Katastrophe. Ich habe das Projekt als Ausrede genommen, ein wenig CSS Grid oder Flexbox zu lernen, bin mit beiden eine ganze Weile gescheitert und habe dann beide kombiniert. Und am Ende mußte ich eine Sonderbehandlung für den Internet Explorer 11 einführen, denn obwohl eigentlich alles alut Dokumentation mit Vendor-Präfixen funktionieren sollte, war das Layout komplett zerschossen und alles lag übereinander. Ich hatte wenig Lust, noch einen weiteren Abend mit IE11 zu verbringen.
  • Selbst wenn es keine Katastrophe wäre, bin ich kein Designer. Ich wollte die Webseite aber etwas weniger nach dem „Hacker-News-Minimalismus-Klischee“ aussehen lassen. Es ist erstaunlich, wieviel man mit einem einfachen Boxschatten und abgerundeten Ecken erreichen kann!
  • Bezüglich “affiliate links could probably make a bit of passive income” bezweifle ich, das ich auch nur den „einen Kaffee pro Tag“-Bereich erreichen werde. Es gibt unzählige Blogs und Webseiten, die Kinderbücher vorstellen.
    Vielleicht werfe ich mal zwanzig Euro in Richtung Google- oder Facebook-Werbung, weniger, weil ich mit großen Ergebnissen rechne, und mehr, weil mich die Seite der Internet-Werbenden interessiert. Damit hatte ich bislang noch keinerlei Berührungspunkte.
  • Buchbeschreibungen sind schwer. Besonders wenn man das Buch nicht physisch vor sich liegen hat. Meine Beschreibungen sind kurz und sprühen nicht unbedingt vor Esprit, aber sie geben eine grobe Richtung an.
  • Meine Datenschutzerklärung ist streng formaljuristisch wahrscheinlich noch immer nicht gut genug, obwohl sie wenigstens so geschrieben ist, daß ein Laie sie versteht. Wenn man Affiliate-Links auf eine Webseite streut, dann verspürt man einen gewissen Druck, diese rechtlichen Dinge richtig zu machen. Und ich mag das <details>-Tag in HTML, es ermöglicht das Aufklappen des langen Texts ohne jegliches Javascript.

DanBC fand meine Seite gut und schlug vor, daß ich sie als “Show HN” an Hacker News submitte. Allerdings sind dort nur Dinge zugelassen, die man im eigentlichen Sinne ausprobieren kann, und eine normale Submission macht wohl auch wenig Sinn, da nicht-englischsprachige Submissions dort keinerlei Stand haben.

3:16 Bible Texts Illuminated

Die Bibel, das Buch der Bücher. Doch nur wenige Menschen, die nicht bereits tief gläubig sind oder ein wissenschaftliches Interesse an ihr haben, haben sie wirklich zum guten Teil gelesen. Einzelne Sentenzen aus ihr haben sich in unserer Kultur und unserer Umgangssprache festgesetzt, doch die Bibel schüchtert ob ihres schieren Umfanges auch ein. Selbst diejenigen, die eigentlich zugeben müssen, daß an sie wegen ihrer Bedeutung für die westliche Welt eigentlich gelesen haben sollte.

Wo nun also das komplette Durchlesen vom Tisch ist (und ich möchte davon niemanden abhalten, aber die Praxis zeigt doch, daß das nur für einen immer kleineren Teil der Bevölkerung interessant ist), wie sich der Bibel nähern?

Eine höchst unvollkommene, aber um so faszinierendere Möglichkeit ist das vorliegende Buch 3:16 Bible Texts Illuminated von Donald E. Knuth.

Professor Knuth ist der vielleicht berühmteste Informatiker, mit unzähligen profunden Beiträgen zu seinem Fach, wie auch zu verwandten Disziplinen. Und er ist gläubiger Christ.

Dieses Buch vollzieht die Methode nach, nach der er vor Jahren einen von ihm erstmals geleiteten Bibelkurs strukturiert hat.

Anstatt die Bibel komplett zu lesen, was den Leser dem originalen Ideenfluß aussetzt und ihm einen Eindruck zu geben vermag, wie die ersten Leser und Hörer der geheiligten Worte diese vernommen haben, wählte er einzelne Verse aus, um diese tiefergehend zu besprechen.

Soweit nichts besonderes, alleine der zeitliche Rahmen eines Bibelkurses erzwang dieses Vorgehen schon.

Doch er wählte nicht einfach seine Lieblingsverse, oder die bekanntesten Verse, oder die zentralen Verse der großen Bücher (beispielsweise der Evangelien) aus. Nein, er ließ den Zufall walten. Er machte zufällige Stichproben, wobei er jedoch eine Gruppierung von Versen (nämlich die Bücher) beachtete.

Die Bibel enthält in etwa dreißigtausend Verse. Eine Auswahl von sechzig daraus sollte einen interessanten und mehr oder minder repräsentativen Einblick in das Ganze erlauben. Sechzig völlig zufällig ausgewählte Verse wären schon nicht schlecht, aber sechzig Verse, je einer aus (fast) jedem Buch, ist noch besser, weil dadurch jedes Buch (und damit jeder Autor) garantiert vertreten ist.

Und wie der Titel schon sagt, die Wahl fiel auf Kapitel drei, Vers sechzehn eines jeden Buches (sozusagen mit dem bekannten solchen Vers in Johannes als Fundament), modulo einiger offensichtlicher Modifikationen der Regel für die Bücher, die zu kurze dritte Kapitel haben oder gar keine drei Kapitel haben. Insgesamt bleiben so neunundfünfzig Bücher.

Die Präsentation all dieser Bücher und ihres Verses 3:16 ist immer dieselbe auf jeweils vier Buchseiten:

Zunächst wird das Buch der Bibel beschrieben. Worum geht es? Was für eine Geschichte wird erzählt, wenn denn eine erzählt wird? In welcher Zeit spielt es? Wie waren die Umstände des Volkes Israel?

Dann folgt eine Seite, die ganz zentral ist: Der Vers 3:16 aus diesem Buch, kalligraphisch interpretiert von immer anderen Künstlern. Diese Kalligraphien sind wunderschön und werden auf einem Poster zusammengefaßt auch einzeln verkauft.

Die dritte und die vierte Seite (als Doppelseite) wiederholen den Vers noch einmal am Rand in optisch herausgehobener, aber traditionell gestalteter Form und beinhalten Knuths Gedanken und Ansichten zu diesem Vers. Dies ist also der Interpretationsteil.

Meine Bewertung: Lesenswert. Aber vor allem betrachtenswert.

Knuth ist bestenfalls Hobby-Theologe, auch wenn er viel Zeit in Bibliotheken verbracht hat, besondere Erkenntnisse theologischer Natur dürfen also nicht erwartet werden. Dennoch gelingt es ihm sehr schön, Verständnis für die damaligen Verhältnisse zu wecken und die biblischen Geschehnisse in einen geschichtlichen Rahmen zu rücken.

Die Kalligraphien sind der eigentliche Höhepunkt des Buches. Und die unorthodoxe Herangehensweise an die Bibel lenkt das Augenmerk auf Verse, die sonst kaum Beachtung fänden.