Drahtkammbinden

Spiralbindungen kennt jeder vom Collegeblock. Doch sie haben ein offensichtliches Problem:

Am unteren Ende der Spiralbindung l├Ą├čt sich das Papier nicht voll umschlagen und es bilden sich solche Papierwuste.

Au├čerdem ist die Spiralbindung auch sonst ungeschickt: sie verschiebt die aufgeschlagenen linken und rechten Seiten vertikal gegeneinander, so da├č die Zeilen nicht mehr auf gleicher H├Âhe liegen.

Eine Drahtkammbindung l├Âst dieses Problem, ben├Âtigt aber spezialisiertes Equipment. Denn im Gegensatz zur Spiralbindung, wo man die ÔÇ×fertigeÔÇť Spirale in den Papierstapel eindreht, legt man den Stapel hier in den ge├Âffneten Drahtkamm und schlie├čt ihn dann erst. Damit er sich gleichm├Ą├čig und knickfrei schlie├čt, verwendet man eine Presse, n├Ąmlich die Drahtkammbindemaschine. Sie stanzt auch die notwendigen kleinen L├Âcher in den Papierstapel.

Vor einiger Zeit habe ich mir eine solche Maschine gebraucht gekauft. Es ist ein ├Ąlteres Modell, aber hier gilt wie bei so vieleM: wenn ├╝berhaupt sind Nachfolgemodelle inkrementelle Verbesserungen, keine evolution├Ąren Spr├╝nge. Neuware ist auch wirklich teuer, weil sie eigentlich nie privat genutzt wird, sondern stets in ÔÇ×richtigenÔÇť B├╝ros.

Von nahem sieht die Drahtkammbindemaschine so aus:

Die Skala links neben dem Anschlag in Millimeter und Inches dient dazu, die ben├Âtigte Drahtkammgr├Â├če zu ermitteln. Es gibt all diese Gr├Â├čen zu kaufen, ich selbst habe mir drei verschiedene Gr├Â├čen zugelegt.

In den Schlitz direkt vor dem Plexiglas mit der Skala dient zum Stanzen der L├Âcher. Der Drehknopf stellt eine Schraube an einem Schlitten fest, der den Anschlag f├╝r die Presse vorgibt. Hier mu├č man die verwendete Drahtkammgr├Â├če einstellen, die man zuvor an der Skala ermittelt hat. Die gro├če dunkle Kluft darunter (und ├╝ber der Kurzanleitung) ist die Stelle, wo der gesamte Papierstapel samt Drahtkamm zum Schlu├č eingelegt wird, um den Drahtkamm zusammenzupressen.

Das ganze Trumm wiegt knappe zw├Âlf Kilogramm. Ernsthaft. Alles Metall. Au├čer dem Auffangbeh├Ąlter f├╝r die Stanzreste, der ist bei meiner Maschine aus Kunststoff (bei den besseren Maschinen aber auch aus Metall).

Und so funktioniert es:

Ich habe einen Ausdruck, in diesem Fall das MiniZinc-Tutorial. Doppelseitig bedruckt sind das gute vierzig Blatt Papier. Mit meiner Maschine und den Drahtkammgr├Â├čen, die ich im Haus habe, komme ich bequem von wenigen Dutzend Blatt Papier bis zu etwa 160 Blatt.

Neben der Maschine ben├Âtige ich vor allem den Drahtkamm. Dieser hier hat die Gr├Â├če 12mm.

Nun lege ich alles bereit. Der Papierstapel wird auf die R├╝ckseite gedreht.

Die Anleitung der Maschine, wie man das Papier einlegt, finde ich nach wie vor verwirrend.

Am besten legt man den Papierstapel so hin wie gezeigt und f├╝hrt mit einer Drehbewegung dann jeweils einen kleineren Teilstapel zur Stanz├Âffnung. Dabei sollte man anfangs mehrfach kontrollieren, da├č die Lochstanzung auf der linken Seite (der ungeradzahligen Seitennummern!) erfolgt. Dann stanzt man mit dem hinteren, langen Hebel die L├Âcher ins Papier.

Der Drahtkamm kann an einer Metallklappe festgeklemmt werden, so da├č er nicht wegrutscht.

Der gerade gestanzte Teilstapel wird sinnvollerweise gleich in den Drahtkamm eingef├Ądelt.

Dies wiederholt man nun so lange, bis das Papier vollst├Ąndig gestanzt und eingef├Ądelt ist.

Kontrollfrage: Welche Seite ist ganz oben und wo ist der Drahtkamm?

Antwort: Die Titelseite schaut einen oben an, und der Drahtkamm ist auf der linken Seite der Titelseite.

Wenn dem nicht so sein sollte, dann hilft nur neu ausdrucken und binden.

Ebenso stanzt man nun die Deckfolie und f├Ądelt sie ├╝ber er Titelseite ein. Und dann den R├╝ckenkarton, und zwar mit der farbigen Au├čenseite nach unten, so da├č die wei├če Innenseite des R├╝ckenkartons nun oben auf dem Stapel zu sehen ist.

Nun kann man den gesamten eingef├Ądelten Stapel aus der Metallklemme ziehen und in den gro├čen Einla├č einlegen (unter der schwarzen Lippe).

Mit dem k├╝rzeren, vorderen Hebel schlie├čt man nun den Drahtkamm. Er sieht anschlie├čend so aus:

Man sieht, da├č ich die Stellschraube etwas zu weit links eingestellt hatte, der Drahtkamm ist etwas zu weit geschlossen. Das macht in dem Ma├če noch nichts, aber man mu├č ├Âfter mal ein wenig mit der Schraube spielen.

Nun klappt man einfach den R├╝ckenkarton um den ganzen Drahtkamm herum nach vorne, so da├č diese Verschlu├čstelle innen vor dem R├╝ckenkarton verschwindet und nicht gleich ins Auge sticht.

Und fertig ist der drahtkammgebundene Ausdruck!