Interessante Enzyklopädien

Weil ich mich gerade etwas für Systemtheorie und Systems Thinking interessiere, hatte ich neulich die „International Encyclopedia of Systems and Cybernetics“ ausgeliehen. Diese ist ein wertvolles Werk, weil sie all die Begriffe, die in der Systemtheorie-Literatur (bis 2004) verwendet werden, definiert, einordnet und miteinander in Beziehung setzt.

Und weil sie so wertvoll und hilfreich ist, ist sie gefragt. So gefragt, daß ein einzelner Band (von zwei Bänden) bei Amazon oder ebay gebraucht üblicherweise zwischen 500 und 800 Euro liegt. Also Fernleihe.

Dabei habe ich nach längerer Zeit ohne (Spezial-)Enzyklopädie in den Händen wieder gemerkt, wie sehr ich diese Darstellung schätze. Künftig möchte ich mehr und öfter Enzyklopädien bei meinen Recherchen zurate ziehen.

Ein Blättern in Thomas Manns „The Oxford Guide to Library Research“ hat schon eine ganze Reihe interessanter Titel gefunden, die man auch ohne konkretes Rechercheinteresse am Fachgebiet mal durchblättern könnte. Dabei sind viele „Dictionaries“ dabei, also Wörterbücher. Das ist etwas, was man wissen muß! Englischsprachige Enzyklopädien heißen oft „Dictionary“, weil sie alphabetisch sortiert sind. Die Einträge sind trotzdem umfassend und mit Literaturquellen, das sind keine Wörterbücher, wie man sie aus dem Fremdsprachenunterricht in der Schule kennt. Wenn man nur nach „Enzyklopädie“ sucht, verpaßt man viele interessante Titel.

  • New Grove Dictionary of Music and Musicians
  • New Dictionary of the History of Ideas
  • Encyclopedia of Food and Culture
  • Encyclopedia of Historical Treaties and Alliances
  • Encyclopedia of Journalism
  • Encyclopedia of Law Enforcement
  • Food Cultures of the World
  • International Encyclopedia of Dance
  • Literature of Travel and Exploration: An Encyclopedia
  • Routledge Encyclopedia of Language Teaching and Learning

Knuth-Scheck

Donald E. Knuth ist so etwas wie der Graue Eminenz der Informatik. Begnadeter Algorithmiker (das Knuth-Morris-Pratt-Verfahren und viele mehr), emeritierter Professor in Stanford, Autor des Standard-Übersichtswerks “The Art of Computer Programming” (schon seit 1962 – geplante Fertigstellung derzeit: 2025), und Schöpfer des Textsatzsystems TeX, von dem Leslie Lamport später LaTeX abgeleitet hat.

Und absoluter Pedant. So hat er auf seiner Webseite einen eigenen Abschnitt, mit Personen, die er in seinen Büchern zitiert, von denen er aber nicht weiß, für welche Vornamen die Mittelinitialen stehen. Und er möchte die nun einmal Namen vollständig zitieren.

Legendär ist sein Angebot, fürs Finden von Fehlern in seinen Büchern Schecks auszustellen. „Fehler“ heißt hier nicht unbedingt „inhaltlicher Fehler“. Davon gab es von Anfang nicht sehr viele, und nun nach Jahrzehnten noch viel weniger.

Nein, auch Tippfehler qualifizieren für einen Belohnungsscheck über zwei Dollar und sechsundfünfzig Cent (ein hexadezimaler Dollar). Ebenso typographische Mängel. Ein Zeilenabstand um einen Zehntel Millimeter zu groß? Scheck. Ein kaum wahrnehmbarer Lerraum vor einem Komma? Scheck. Ein Eintrag einer Aufzählung nicht korrekt eingerückt. Scheck.

Man kann sich schon denken, der Durchschnittsautor würde auch bei Zwei-Dollar-Belohnungen arm. Aber die Fehlerhäufigkeit ist eben überschaubar bei Knuth.

Außerdem war das schon ein cleverer Schachzug von ihm: Kaum jemand löst diese Schecks je ein. Die hängt man sich an die Wand. Ernsthaft.

Es gibt ein paar Verrückte, Knuth erzählte in einem Interview einmal, es gebe da einen Deutschen, der schon so viele Schecks gesammelt habe, daß er zum Spaß jedes Jahr einen davon einlöse.

Lange Einleitung, der Leser ahnt es schon: ich besitze solch einen Scheck.

Natürlich hatte ich schon lange davon geträumt, einmal einen Fehler in einem seiner Bücher zu finden, aber nach einigem Lesen war mir klar: das wird wohl nichts werden.

Und eines Tages hatte ich einen Fehler. Sogar einen inhaltlichen Fehler, nicht nur typographischen Kleinkram.

Ich habe länger gezögert, den Fehler zu melden. Der ist bestimmt schon bekannt. Ich täusche mich und blamiere mich nur damit. Und dann habe ich den Fehler gemeldet.

Und er ist grandios! Ich hatte immer vor meinem geistigen Auge, daß ich die dicken Schinken mit Argusaugen lesen und die Beweise bis ins kleinste Detail nachvollziehen und verstehen muß.

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. An einer Stelle, von der niemand behaupten kann, er sei mit Lesen nicht so weit gekommen.

Denn in “Computer Modern Typefaces” findet sich der Fehler auf der Seite arabisch eins. Im allerersten Absatz. Gleich das allererste Wort ist falsch.

“Infinitely many…” – nein! Es sind nur endlich viele, wenn auch eine astronomische Anzahl.

Der Eintrag in den Errata steht unter “Page E1”.

Einige Zeit später kam ein Brief.

Zunächst hat Knuth einen wunderbaren Comic-Strip beigelegt, der zu den zwei Dollar irgendwas paßt wie die Faust aufs Auge:

Comic-Strip, den Donald Knuth mitgeschickt hat
Comic-Strip, den Donald Knuth mitgeschickt hat

Aber natürlich auch den Scheck!

Knuth-Scheck über $2.56
Knuth-Scheck über $2.56

Ich habe zwei Stellen mit maschinenlesbaren Informationen übermalt. Knuth machte sich irgendwann Sorgen, daß dort seine Kontonummer erkennbar sei, und in Amerika reichen diese Daten wohl, um Geld abzubuchen.

Daraufhin hörte er auf, echte Schecks zu versenden, und verschickte nur noch Fantasie-Schecks einer fiktiven „Bank von San-Serriffe“. Ich freue mich jedenfalls, noch einen echten Scheck bekommen zu haben. Dort auf der Webseite findet man mich auch, mit $1.20.

Aber warum nun $1.20? Weil ich später zwar unrecht hatte mit einer weiteren Fehlermeldung, und Knuth das aber als Verbesserungsvorschlag gewertet und mit einem kleineren Scheck belohnt hat:

Knuth-Scheck über $0.32
Knuth-Scheck über $0.32

Safety in der Bibel

Schon die Bibel kannte Vorschriften zum Schutz von Leib und Leben. Das ist zwar keine funktionale Sicherheit, aber dennoch Safety. Heute würde man sagen „trennende Schutzeinrichtung“.

Wenn du ein neues Haus baust, so mache ein Geländer ringsum auf deinem Dache, damit du nicht Blutschuld auf dein Haus lädst, wenn jemand herabfällt.

5. Buch Mose, Kapitel 22, Vers 8

Ledersohlen beim Tanzschuh

Der klassische Lederschuh als Tanzschuh hat viele Vorteile: man kann ihn auch außerhalb des Tanzsports tragen, er ist in jedem Schuhgeschäft in großer Auswahl zu finden, und die Marken und Paßformen sind einem bereits vertraut.

Eine Gummisohle verbietet sich natürlich, aber es gibt ja auch Lederschuhe mit Ledersohle. Um diese soll es hier gehen.

Eine wirklich durchgängige Ledersohle scheint dabei selten geworden zu sein, der Absatz ist meistens aus Gummi. Das schadet jedoch nicht, denn im Gegensatz beispielsweise zu einer Impetusdrehung im Langsamen Walzer sind Fersendrehungen im Swingtanz nicht üblich. Aber auch ansonsten scheinen Echtledersohlen deutlich auf dem Rückzug zu sein. Bei meinem letzten Besuch in einem großen Schuhhaus fand ich viele Dutzend Schuhmodelle mit kompletter Gummisohle, aber nur zwei oder drei, die noch eine Ledersohle hatten.

Die Tanzeigenschaften sind schnell erläutert: Nicht nur recht steif, vor allem rutschig ist die Sohle. Hui, da kann man echte Probleme kriegen, wenn man sehr groß tanzt oder seinen Schwerpunkt (noch) nicht sauber kontrollieren und unter seinem Körper halten kann.

Balboatänzer sieht man häufiger mit Ledersohlen. Dort spielt die Starrheit eine geringe Rolle, weil der Fuß sehr wenig abgerollt wird. Und die Schritte und Bewegungen sind sehr klein und kontrolliert gesetzt, aber auch schnell.

Die Ledersohle verträgt natürlich Nässe nicht gut, sie reibt sich im feuchten Zustand schnell kaputt. Auf den Gang vor die Tür zum Abkühlen sollte man gegebenenfalls also eher verzichten. Im nassen Zustand wird die Sohle auch schnell stumpf und untanzbar, außer an den paar Stellen (Fliesen auf der Toilette eventuell?), wo die Haftreibung verschwindet, und der Schuhträger Gefahr läuft hinzufallen.

Der klassische Leder-Herenhalbschuh hat natürlich noch einen weiteren Nachteil. Er ist recht teuer. Nicht so teuer wir „echte“ Tanzschuhe, aber schon eine andere Preisklasse als Keds, Toms oder Dockers.

Mein abgebildetes Paar Schuhe verwende ich so auch hauptsächlich für Balboa. Ich kann auch Lindy Hop damit tanzen, aber muß dann ziemlich vorsichtig sein.

Tanzschuhe und Schuhsohlen

Eine häufige Frage von Tanzanfängern lautet: „Welche Tanzschuhe und Schuhsohlen brauche ich denn zum Tanzen?“. Und auch im weiteren Verlauf der Tanzkarriere probieren viele Tänzer ganz verschiedene Schuhe aus.

In dieser kleinen Reihe möchte ich ein paar Arten von Tanzschuhen vorstellen, die ich selbst schon getragen habe. Oder eigentlich eher verschiedene Arten von Schuhsohlen – denn der Rest des Schuhs ist hauptsächlich eine Frage von Geschmack, Mode und Komfort. Die Schuhsohle „erdet“ den Tänzer jedoch, und damit ist sie wichtig.

Natürlich hängt viel vom konkreten Boden ab. Und auch zwei verschiedene Räume mit Parkett können sich völlig unterschiedlich anfühlen, wenn man tanzt.

Grundsätzlich ist natürlich der ganz klassische, schwingend gelagerte Tanzboden aus Holz das Nonplusultra. Leider ist er außerhalb von Tanzschulen und einigen sehr guten Veranstaltungssälen eher selten in unserem Tänzerleben zu finden.

Das Parkett ist dann die normale Premiumqualität. Andere Arten von Holzboden (gar Dielenboden) können gut sein, müssen es aber nicht.

Am unteren Ende der Skala stehen drei Fußbodenbeläge, die wir Bielefelder leider alle schon kennenlernen durften, bevor wir im wunderbaren Muschelsaal eine Heimat gefunden haben: Fliesen, PVC/Linoleum und sogar Beton! Alle drei Arten sind indiskutabel und nur im Notfall zu ertanzen. Dann aber mit Augenmerk auf Verletzungsanfälligkeiten. Drehungen sollte man lieber außen vor lassen.

Also beschränke ich mich in meiner Betrachtung auf Holzböden aller Art. Welche Arten von Schuhsohlen bieten sich an?

Außerdem: was ist über Pflege und Haltbarkeit zu sagen? Vertragen sie ein paar Tropfen Nässe?

Wichtig ist natürlich auch der Einsatzzweck. Ganz allgemein möchte man zum Balboa möglichst rutschige Schuhe, da man insbesondere im Pure Bal ohnehin kleine, aber schnelle Schritte setzt und seinen Schwerpunkt nie weit verlagert. Im Lindy Hop ist ein gewisser Grip hingegen hilfreich, besonders, wenn man dynamischer tanzt. Anfänger mögen es sowieso lieber etwas standsicherer.

Solltet ihr nur ungeeignete Schuhe haben, die viel zu stumpfe Sohlen haben, gibt es den alten Tänzertrick: Kunststoffklebeband („Tesa-Packband“) auf die Sohle im Bereich des Fußballens kleben. Das ist für Fälle, in denen der Boden heute mal wieder sehr stumpf ist, ganz brauchbar. Modisch ist das Klebeband natürlich nicht, und ob es sich wieder gut lösen läßt, müßt ihr ausprobieren.

Die Alternative wäre Puder, um stumpfen Boden (oder Schuhe) rutschiger zu machen. Das ist aber immer problematisch: man verunreinigt die Tanzfläche, was der Gastgeber vielleicht nicht so gerne sieht. Und ihr beeinflußt auch andere Tänzer, die in diesen Bereich der Tanzfläche kommen – wenn sie selbst bereits rutschige Schuhe tragen, mag das bis hin zum Sturz führen! Eine Aspirin zertreten und verteilen hat selbst im Erfolgsfall dieselben Probleme, verbuche ich aber ohnehin eher unter „Partygag“.

Auf dem Foto oben seht ihr fünf Paar Schuhe. Mit vieren davon habe ich oft getanzt, das fünfte Paar kommt mir nicht an tanzende Füße.

Aber alles weitere kommt dann in einzelnen Artikeln zu den Schuhtypen.