The Now Habit

The Now Habit von Neil Fiore ist ein Selbsthilfebuch, um Aufschieberitis zu verstehen und zu überwinden.

Aufschieberitis (in schick: „Prokrastination“) ist ein Mechanismus, mit dem wir unsere Angst bewältigen, die im Zusammenhang mit dem Anfangen oder Beenden einer Aufgabe steht. Niemand ist auf allen Gebieten „faul“. Sie mögen das nächste Kapitel Ihres Romans nicht anfangen können, aber dennoch den aufgegebenen Lesestoff für Ihr Uniseminar durchackern.

Ein guter Anfang, um Aufschieberitis in den Griff zu bekommen, ist ein Aufschieberitistagebuch zu führen, in dem Sie Zeit, Aufgabe, Ihre Gedanken und Gefühle, Ihre Ausrede, Ihre Startversuche und Ihre daraus resultierenden Gedanken und Gefühle niederschreiben.

Der übliche Aufschieberitis-Teufelskreis sieht so aus:

  • Sie lassen die aktuelle Aufgabe Ihre Stimmung und Ihr Selbstwertgefühl beeinflussen
  • Sie wollen die Aufgabe meistern, nicht nur erledigen, damit Ihr Perfektionismus befriedigt wird. Indem Sie die Erfolgslatte so hoch legen, erhöhen Sie aber die Wahrscheinlichkeit zu scheitern.
  • Sie fürchten, daß Sie die eigenen Erwartungen nicht erfüllen können und erstarren.
  • Sie vermeiden das Problem durch Aufschieben
  • Kurz vor der Deadline müssen Sie etwas tun. Sie tun es, aber nicht so gut, wie es in der zur Verfügung stehenden Zeit hätten tun können.

Der erste Schritt zur Abwehr der Aufschieberitis ist, Sicherheit zu schaffen. Ein Fehlschlag darf nicht das Ende der Welt sein. Sie müssen im Kopf behalten, daß viele sehr erfolgreiche Menschen große Fehlschläge erlitten haben. Ihr Wert als Mensch hängt nicht von der Aufgabe ab.

Eine Möglichkeit, den gefühlten Druck zu verringern, ist, auf Ihre Sprache zu achten. Vermeiden Sie „ich muß“ und „ich sollte“. Versuchen Sie, in Formen von „ich möchte“, „ich entscheide mich“ und „ich beschließe“ zu denken.

Ein „sollte“ bedeutet, daß Sie mit einer Situtation unzufrieden sind und etwas daran ändern möchten. Es bedeutet nicht, daß sie die Realität blöd finden und sich beschweren.

„Ich muß fertig werden“ ist kein hilfreicher Gedanke. Ein besserer Gedanke lautet „wann kann ich anfangen?“. Versuchen Sie, Dinge zumindest teilweise zu erledigen, lange bevor die Deadline droht.

Teilarbeiten sind ein wichtiger Aspekt: Sie müssen ein großes Projekt nicht auf einen Schlag erledigen. Nehmen Sie sich einen kleinen, handhabbaren Teil vor und schließen Sie diesen ab. Das Projekt mag groß sein, aber es kann in kleinen Teilschritten fertiggestellt werden. Schreiben Sie einen ersten Entwurf. Oder ein Testkapitel. Möglicherweise hilft es Ihnen, einen ersten Entwurf bewußt schlampig zu formulieren und später zu überarbeiten.

„Ich muß perfekt sein“ ist unmenschlich. Sie dürfen Mensch sein. Lernen Sie von Fehlern, respektieren Sie Grenzen. Kritisieren Sie sich nicht selbst übermäßig. Haben Sie Mitgefühl mit sich selbst.

Nehmen Sie sich etwas Zeit frei. Freunde, Freizeit, Ihr Partner. Diese sind wichtig und gesund. Bauen Sie Freizeit und Sport in Ihren Terminkalender ein. Lassen sie diese nicht Nebenüberlegungen sein für „wenn mal Zeit ist“.

Stellen Sie sich das konkrete Ziel und die Belohnung vor. Lassen Sie diese Vorstellung Sie vorwärtsziehen. Stellen Sie sich nicht den langen Weg zum Ziel vor, stellen Sie sich den langen Weg vor, den Sie bereits zurückgelegt haben.

Lassen Sie sich nicht überwältigen. Sie müssen nicht den perfekten Anfang kennen. Sie können sich Zeit nehmen, um zu lernen und ein Sicherheitsgefühl aufzubauen. Reden Sie Ihre Erfolge und Ihren Fortschritt nicht schlecht.

Planen Sie rückwärts und erfinden Sie lauter kleinere Deadlines. Beginnen Sie mit der von außen auferlegten Deadline. Planen Sie dann rückwärts, was bis dahin geschafft sein muß. Planen Sie Zwischenschritte mit eigenen kurzen Deadlines.

Kanalisieren Sie ihre Energie in Handlungen, die die Gefahren beseitigen, die sich fürchten.

Spielen Sie den schlimmsten Fall durch. Was ist das Schlimmste, was Ihnen passieren kann? Stellen Sie sich vor, was Sie in dieser Situation tun könnten. Gibt es Alternativen? Gibt es gar auch Vorteile? Wie können Sie die Wahrscheinlichkeit verringern, daß der schlimmste Fall eintritt?

Manchmal arbeiten Leute ziemlich gut und produktiv an ihren Aufgabenm aber sie scheinen nie fertig zu werden. Eine fast beendete Aufgabe zu verlängern kostet auch Energie. Stecken Sie diese Energie ins Fertigmachen und ernsten Sie die Belohnung.

Übermäßige Vorbereitung ist auch nur Aufschieben. Begrenzen Sie die Vorbereitung und fangen Sie dann an. Wenn Sie wirklich mehr VOrbereitung benötigen, merken Sie das später noch.

Seien Sie von scheinbar fehlendem Fortschritt am Anfang einer Aufgabenbearbeitung nicht entmutigt. Der Anfang ist oft der schwierigste und langwierigste Teil. Die dort aufgewendete Zeit ist nicht verloren, Sie haben nun ein besseres Verständnis für das Problem und Ihre Aufgabe.

Die Angst, daß die Anforderungen an Sie immer weiter steigen, wenn Sie ihre Aufgabe erfolgreich abschließen, ist irrational. Sie werden auch später noch ein Stück Autonomie besitzen, um eine informierte Entscheidung zu fällen. Machen Sie sich nicht jetzt deswegen verrückt.

Wenn Sie glauben, mehr Zeit zu brauchen: sind Sie sich sicher, daß da nicht nur Ihr Perfektionismus spricht? Nicht alles muß hochglanzpoliert sein. Wägen Sie Kosten und Nutzen gegeneinander ab.

Nutzen Sie den „Unkalender“. Der Unkalender ist wie ein Terminkalender, aber als erstes tragen Sie Blöcke für Freizeit und Erholung ein. Erst danach tragen Sie Ihre Aufgaben ein, und auch nur, nachdem Sie bereits eine halbe Stunde ohne Unterbrechung daran gearbeitet haben. Das gibt Ihnen eine realistische Übersicht wie viel Arbeit Sie wirklich angehen können. Aufgaben werden niemals geplant, nur im Nachgang dokumentiert.

Streben Sie dreißig Minuten ununterbrochene, und hochqualitative Arbeit an. Nehmen Sie nach diesem Block eine Pause.

Rückschläge sind unvermeidbar. Nehmen Sie sie wahr. Beobachten Sie sich selbst. Wie waren Ihre Gefühle und Gedanken? Warum sind Sie in alte Muster zurückgefallen? Planen Sie, wie Sie dem künftig entgegenwirken.

Lassen Sie Ziele fallen, die in naher Zukunft weder erreicht, noch begonnen werden können. PLanen Sie um und planen Sie diese zu einem späteren Zeitpunkt ein. Lassen Sie Ziele nicht ohne Möglichkeit voranzukommen auf Ihrem Aufgabenberg.

Schätzungen für 2022

Nach den Vorhersagen für 2021 und der Auswertung dazu: auf ein Neues!

Die Methodik habe ich unter Kalibriertes Schätzen erläutert.

  • Die Werbeeinnahmen auf www.schoene-kinderbuecher.de decken die Hostingkosten (abgeschätzt mit 30 Euro im Jahr): 80%
  • Ich nehme 20kg ab: 40%
  • Ich nehme 10kg ab: 80%
  • Ich meditiere regelmäßig: 5%
  • Ich werde Vegetarier: 5%
  • Ein Politiker (den ich vor dem Skandal bereits namentlich kannte) hat einen Kinderpornoskandal: 10%
  • Papst Franziskus lebt: 70%
  • Ich blogge jeden Monat mindestens zwei Artikel auf www.thomas-huehn.de: 30%
  • Ich nehme an einem Lindyfeld-Kurs teil: 20%
  • Ich fahre zu einer anderen Szene zum Social Dance oder Workshop: 10%
  • Ich schließe den Blender-Launchpad-Kurs ab: 90%
  • Ich arbeite den Softwarehierarchieteil von nand2tetris durch: 40%
  • Ich arbeite den Mastery-with-SQL-Kurs ein weiteres Mal durch: 30%
  • Schottland stimmt in einem Unabhängigkeitsreferendum (egal, ob von Westminster anerkannt) für die Abspaltung: 30%
  • Tesla erreicht voll-autonomes Fahren (Level 5): 5%
  • Kim Jong Un ist weiterhin an der Macht: 80%
  • Terroranschlag in Deutschland mit mehr als 1000 Toten: 10%
  • Der DAX schließt höher als 2021: 60%
  • Ein Ereignis tritt ein, daß mich unerwartet mindestens 20000 Euro kostet (keine eigenen Entscheidungen wie Autokauf): 5%
  • Ein Ereignis tritt ein, daß mir unerwartet mindestens 20000 Euro einbringt: 5%
  • Ich benutze den Instant Pot noch regelmäßig für Hauptgerichte: 90%
  • Ich benutze den Instant Pot noch regelmäßig für Joghurt: 80%
  • Wir fahren nach Ameland: 80%
  • Ich habe mein eigenes Kochbuch zusammengestellt, physisch ausgedruckt und in Verwendung: 40%
  • Ich kaufe eine Nintendo Switch: 10%
  • Mein Backofen oder Herd benötigen wieder einen Servicetechniker: 30%
  • Ich habe einen stationären Krankenhausaufenthalt: 10%

Nun noch ein paar zensierte Vorhersagen oder Schätzungen, die andere Personen betreffen oder aus anderem Grund „sensibel“ sind:

  • […]: 10%
  • […] stirbt: 10%
  • Ich breche […] ab: 10%
  • Ich bestehe eine […]: 90%
  • Ich bestehe beide […]: 70%
  • Ich wechsle […]: 10%

Die Auswertung erfolgt dann wieder Ende des kommenden Jahres.

Schätzungen für 2021, ein Rückblick

Ende vergangenen Jahres habe ich meine Schätzungen für 2021 veröffentlicht. Es wird Zeit, diese Revue passieren zu lassen.

Rückblick

Ja, das hat eben so geklappt.

  • Ich nehme 20kg ab: 30%

Jawoll! Sogar noch ein bißchen mehr abgenommen.

Die letzten anderthalb Monate waren leider ein Plateau, aber kommendes Jahr geht es weiter.

  • Ich nehme 10kg ab: 70%

Damit ist dieses Ziel natürlich auch erreicht.

  • Ich meditiere regelmäßig: 30%

Nein. Noch nicht mal ernsthaft ausprobiert. Das Buch steht im Regal.

  • Ich werde Vegetarier: 10%

Nein.

  • Vollständiges Home-Office findet ein Ende: 90%

Erstaunlicherweise nein.

  • Ich erhalte meine Covid19-Impfung: 90%

„Meine Impfung“, jaja. Als ob eine gereicht hätte. Den Booster habe ich inzwischen sogar auch.

  • Söder wird Kanzlerkandidat der Union: 60%
  • Söder wird Kanzler: 40%
  • Röttgen wird Parteivorsitzender der CDU: 20%
  • Merz wird Parteivorsitzender der CDU: 40%
  • Laschet wird Parteivorsitzender der CDU: 30%
  • Spahn wird Parteivorsitzender der CDU: 10%

Okay, ich ging natürlich davon aus, daß sich die CDU nur einmal einen Parteivorsitzenden ausguckt. Ich werte Merz nun als „nein“, weil das natürlich so gedacht war, daß ich für eine Runde meine Schätzung abgebe, und kann das formal auch damit begründen, daß der Parteitag ihn wohl erst noch offiziell wählen muß.

  • Die SPD erhält bei den Bundestagswahlen mehr Stimmen als die AfD: 70%

Ja, und ich das wird vermutlich auch noch eine Weile so bleiben.

  • Ein Politiker (den ich vor dem Skandal bereits namentlich kannte) hat einen Kinderpornoskandal: 10%

Nein.

  • Papst Franziskus lebt: 70%

Ja.

  • Ich blogge jeden Monat mindestens zwei Artikel auf www.thomas-huehn.de: 70%

Haha, wie niedlich! Nein.

  • Ich nehme in jeder Kursphase an einem Lindyfeld-Kurs teil: 30%
  • Ich fahre zu einer anderen Szene zum Social Dance: 20%
  • Ich fahre zu einer anderen Szene zum Workshop: 20%

Ich war gar nicht tanzen, nicht in den verkürzten Kursphasen, nicht zu sonstwas.

  • Ich schließe den Blender-Launchpad-Kurs ab: 90%
  • Ich arbeite den Softwarehierarchieteil von nand2tetris durch: 80%
  • Ich arbeite den Mastery-with-SQL-Kurs ein weiteres Mal durch: 70%
  • Ich kann ein einfaches 3D-Modell selbständig und ohne Tutorial in Blender 3D erstellen: 70%

Ist das wirklich alles schon ein Jahr her? Ein bißchen in die Richtung geschaut, habe ich, aber „abschließen“ oder „durcharbeiten“? Allesamt nein.

  • Ich arbeite mich in TLA+ ein: 60%
  • Ich benutze TLA+ bei der Arbeit: 30%

Nein, und habe ich inzwischen auch eher verworfen.

  • Schottland stimmt in einem Unabhängigkeitsreferendum (egal, ob von Westminster anerkannt) für die Abspaltung: 60%

Nein.

  • Tesla erreicht voll-autonomes Fahren (Level 5): 5%

Nein.

  • Kim Jong Un ist weiterhin an der Macht: 80%

Ja.

  • Eine neue Partei kommt in den Bundestag: 10%

Nein.

  • Es gibt einen Terroranschlag in Deutschland mit mehr als 1000 Toten: 10%

Nein.

  • Ich ziehe mich während des Jahres noch einmal von Hacker News zurück (ob dauerhaft oder vorübergehend): 30%

Nein.

  • Ich habe 20 Follower auf Twitter: 10%

Nein, und das wird vermutlich auch gar nicht passieren, zumal ich meine Twitter-Nutzung etwas ungewöhnlich gestalte.

  • Der DAX schließt höher als 2020: 60%

Wow. Hatte ich gar nicht im Blick.

  • Ein Ereignis tritt ein, daß mich unerwartet mindestens 20000 Euro kostet (keine eigenen Entscheidungen wie Autokauf): 5%
  • Ein Ereignis tritt ein, daß mir unerwartet mindestens 20000 Euro einbringt: 5%

Nein.

  • Ich benutze den Instant Pot noch regelmäßig für Hauptgerichte: 90%
  • Ich benutze den Instant Pot noch regelmäßig für Joghurt: 80%

Tja, was heißt „regelmäßig“? Ich werte aber beides als „ja“, zumal er dauerhaft auf der Küchenarbeitsplatte steht.

  • Wir fahren nach Ameland: 80%

„Wir“ ist gut. Ich jedenfalls nein. Die letzte Hoffnung über Silvester haben wir gestern storniert.

  • Ich habe mein eigenes Kochbuch zusammengestellt, physisch ausgedruckt und in Verwendung: 70%

Nein, aber das ich nach wie vor eine gute Idee!

  • Wir backen wieder ein Lebkuchenhaus: 60%

Nein.

  • Crusader Kings III spiele ich immer noch: 70%

Nein, aber das kommt wieder.

  • Ich kaufe eine Nintendo Switch: 70%

Nein. Ich habe immer wieder geschwankt, und mir dann einfach mal eine ausgeliehen. Hat mich dann doch nicht groß interessiert, und damit ist das Thema auch durch.

  • Mein Backofen oder Herd benötigen wieder einen Servicetechniker: 60%

Nein.

  • Ich habe einen stationären Krankenhausaufenthalt: 10%

Nein.

  • Ich publiziere einen Artikel in einer Zeitschrift: 60%

Nein. Dahinter steckte natürlich ein Vorhaben. Ich hatte eine Anfrage von einem Fachmagazin und hatte auch provisorisch zugesagt.

Und dann kam nicht nur der Terror der leeren Seite, sondern ich bin auch psychisch mit dem „ich will, ich sollte, ich kriegs aber nicht hin“ nicht fertiggeworden und habe dann die Reißleine gezogen.

  • […]: 40%

Ja.

  • […]: 10%

Nein.

  • […] stirbt: 10%

Nein.

  • Ich breche […] ab: 40%

Nein.

  • Ich bestehe […]: 70%

Ja.

  • Ich […]: 10%

Nein.

Auswertung

Wie in Kalibriertes Schätzen beschrieben: die Prozentzielmarken in Dezimalzahlen umwandeln und aufaddieren. Dann mit der Anzahl der eingetretenen Aussagen vergleichen.

Anhand der geschätzten Konfidenzen sollten 23,75 von 52 Aussagen eingetreten sein. Tatsächlich sind 13 Aussagen eingetreten.

Das ist… viel schlechter als ich erwartet hatte.

Für kommendes Jahr muß ich genauer darauf achten, daß ich eher unabhängige Aussagen wähle (die Politikerrutsche bei der CDU war etwas unnötig), daß ich diese Schätzungen nicht als Motivationshilfe mißbrauche (Blender, nand2tetris) und daß ich wieder mehr Schätzungsübungen mache. Ein paar Fragebogen habe ich ja noch.

Die Schätzungen für 2022 folgen dann in Kürze!

Trends in Twitter ausblenden

In „Wie ich zwitschere“ schrieb ich bereits, daß Twitter das „Engagement“ der Benutzer optimiert. Eine Maßnahme dazu sind die ständig ins Auge stechenden Trends mit den aktuell laufenden Shitstorms.

Natürlich läßt Twitter nicht zu, diese einfach abzuschalten. Aber es gibt einen Trick.

Twitter-Trends

Wenn man nun auf das Zahnrad klickt, erhält man folgende Einstellungen:

Twitter-Trends
Twitter-Trends

Und wenn man nun „Show content in this location“ wegklickt und von Hand als Ort „British Indian Ocean Territoy“ einstellt, dann ist himmlische Ruhe. Denn von dort postet niemand etwas:

Twitter-Trends
Twitter-Trends

Manchmal muß man loslassen

Nächsten Monat ist es zwanzig Jahre her, daß ich mein Informatikstudium begonnen hatte. Übriggeblieben außer ein paar Bescheinigungen, einer gedruckten Studien- und Diplomarbeit sowie dem Diplomzeugnis waren aber immer noch ein paar Aktenordner mit Skripten, Übungsblättern, Mitschrieben und so.

In den letzten Jahren bin ich mehrfach umgezogen, und natürlich habe ich jedes Mal ausgemistet. Jedes Mal habe ich auch Studienkram entsorgt. Aber von ein paar wollte ich mich nie trennen.

Heute war es dann soweit: die letzten Skripten und Mitschriebe sind in der Papiertonne gelandet.

Allerdings habe ich diese Schätzchen vorher nochmal eingescannt. Also abfotografiert mit Handy und Microsoft Lens. Alles nicht perfekt, aber zum Archivieren reicht es. Schließlich habe ich mich nie durchringen können, mir eine Austattung wie manch anderer hinzustellen.

Und Schätze waren es fürwahr!

Besonders hing ich an dem Skript zu Syntax (und den Proseminaren Syntax I und II) aus meinem Nebenfach – Computerlinguistik.

Deutsche Grammatik verstehen. In einem Seminar eine gute halbe Stunde nur über die Phrase „jedes dritte Eis“ diskutieren. C-Strukturen und F-Strukturen zeichen. Damals sagte mir „↑PCASE = ↑( ↓PCASE)“ noch etwas. Irgendwann lese ich das nochmal nach. Immerhin weiß ich noch, daß die Pfeile „ups“ und „downs“ ausgesprochen wurden.

Jedenfalls war das Nebenfach kuschelig, weil klein. Es hatte eine interessante Besetzung auch in der Studentenschaft, denn etwa die Hälfte der Studenten war eher Typ geisteswissenschaftlicher Öko, die andere Hälfte aber eher Informatik-Nerds.

Und wir hatten Syntax in einem winzigen Hörsaal mit knarzender Tafel in einem alten Gebäude der Hohen Karlsschule mit toller Fassade.

Und dann in Informatik selbst die drei Vorlesungen aus der Vertiefungslinie Programmiersprachen und Compilerbau: „Programmanalysen und Compilerbau“, „Real-Time-Programming“ und „Konzepte von Programmiersprachen“. Ich habe schlicht jede Vorlesung besucht, die Professor Plödereder angeboten hat.

Ich weiß nicht, warum ich nach dem Studium nicht mehr in diese Richtung gegangen bin, das war alles sehr spannend.

Und eine nette Anekdote gibt es auch: in einer der drei Vorlesungen hatte ich also mündliche Prüfung. Anwesend außer mir: der Professor und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter als Beisitzer. Professor Plödereders Prüfungen kannte ich zu dem Zeitpunkt schon: für eine sehr gute Note reichte es nicht, das Skriptum herbeten zu können. Wenn er sah, daß man den Stoff drauf hat, kamen die eigentlichen Fragen. Transferaufgaben, Verknüpfungen zu benachbarten Themen und so. Damit kam ich gut klar.

Nur in dieser Prüfung zur Vorlesung X lief es nicht so richtig gut (eine der drei Vorlesungen oben, ich weiß nicht mehr welche) . Sicher, irgendwie konnte ich auf alles antworten, aber meine Güte hatte der Professor da einen heftigen Tag. Nichts davon hätte ich als off-topic zurückweisen können, alles was er fragte war zwar irgendwie drangewesen, aber nur sehr leicht gestreift. In einer Fußnote angesprochen, ohne es zu vertiefen. Freundlich ausgedrückt.

Irgendwann war die Prüfung vorüber und ich wurde vor die Tür gebeten. Drinnen diskutierten nun Professor und Beisitzer über die Note. Wenige Minuten später durfte ich wieder eintreten.

Und der Professor begann: Es tue ihm wirklich sehr leid. Sein Beisitzer habe ihm gerade gesagt, ich habe die Prüfung X angemeldet, er habe aber gedacht, er prüfe gerade zur Vorlesung Y. Aber dafür habe ich mich ja ganz gut geschlagen, Y habe ich sicherlich auch besucht.

Auf meine Antwort, daß ich die Vorlesung Y erst im darauffolgenden Semester hören würde, war er beeindruckt. Und die Note war auch entsprechend.

Wie ich zwitschere

Twitter steht bei vielen Menschen im Ruf, auch nur ein weiteres sinnloses Social-Media-Netzwerk zu sein. Ich glaube aber, daß man Twitter ganz hervorragend gewinnbringend nutzen kann.

Es soll nicht um das übliche gehen: ja, Twitter kann endlos Zeit fressen, das „Doomscrolling“ ist ein echtes Problem. Ja, man kann sich feste Zeiten einrichten und nicht ständig aufs Handy schielen. Aber es gibt handfestere Ratschläge.

Zunächst einmal: ich nutze Twitter täglich. Nachdem ich meinen letzten Twitter-Account gelöscht hatte, bin ich vor einigen Monaten wieder eingestiegen. Alle Follower weg. Oh je!

Aber das ist gar nicht schlimm. Ich habe auch heute, Monate später, noch 0 Follower. Ich folge selbst allerdings auch 0 Personen. Das muß ich erklären.

Die normale Art, Twitter zu nutzen, ist: ich folge ganz vielen interessanten Menschen und dann habe ich eine interessante Timeline. Das funktioniert aber so nicht.

Die Timeline

Zunächst zur Timeline: Die Standard-Chronik auf Twitter zeigt ganz viel Mist, von dem Twitter glaubt, daß er unser „Engagement“ steigert. Tweets von Personen, denen Personen folgen, denen Personen folgen, denen wir folgen. Tweets, die gerade deutschland- oder weltweit wie blöde retweetet werden. Das sind vor allem Tweets, die uns aufregen. Emotionale Tweets. Die Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Dazu ganz viele „empfohlene“ Tweets, die letztenendes auch nur Werbung sind.

Das kann man kaum verhindern. Ein Ansatz (aber keine vollständige Lösung) ist, bestimmte Begriffe zu blocken, die in den Tweets nicht sichtbar sind, die Twitter aber offenbar intern verwendet, um all diese verschiedenen Belästigungen zu kategorisieren. Die heißen dann „suggest_recycled_tweet“ oder „ActivityTweet“ und so. Natürlich sind sie nicht dokumentiert. Aber findige Netizens haben diese Begriffe reverse-engineert.

Und wenn man diese Begriffe stummschaltet, dann verschwinden auch diese störenden Tweets. Jedenfalls derzeit. Wie lange das funktioniert, ist offen. Dennoch: unbedingt tun:

Stummgeschaltete Begriffe

Zum nächsten Problem der normalen Chronik: sie ist keine. Die Tweets erscheinen nicht in chronologischer Rehenfolge, sondern werden vom Twitter-Algorithmus umsortiert, wie Twitter gerade meint, das „Engagement“ steigern zu können. Man kann also nicht da weiterlesen, wo man zuletzt stehengeblieben war. Alte Tweets erscheinen erneut, neue Tweets werden unter all den anderen versteckt.

Auch hier gibt es eine Teil-Lösung: Mit der „Sternschaltfläche“ oben rechts kann man von „Home“ auf „Latest Tweets show up as they happen“ umschalten.

Oben rechts klicken…
…und auswählen.

Warum ist das nur eine Teil-Lösung? Weil Twitter das immer wieder mal selbstständig auf den von ihnen gewünschten Default „wild durcheinander“ zurückschaltet. Es besteht ganz leise Hoffnung, daß sie damit aufgehört haben, bei mir ist die Einstellung nun schon bestimmt zwei Monate stabil, aber ich habe das schon mehrfach neu einschalten müssen.

Follower

Was bedeutet es, jemandem zu folgen? Nach herkömmlicher Ansicht bedeutet das „ich möchte seine Tweets sehen“. Und das ist auch eine Folge des Folgens.

Es gibt aber eine weitere: das soziale Signal. Das kann gewollt sein oder ungewollt interpretiert werden. Wenn ich einem Freund folge, möchte ich wohl auch zeigen, daß wir „zusammengehören“. Doch wenn ich einem Politiker folge, glauben viele andere Twitter-Nutzer, ich sei Wähler seiner Partei. Auch wenn ich ihm nur folge, um mitzubekommen, was er wieder für unmögliche Dinge erzählt.

Spannend wird das bei den Shitstorms, die ständig durch die Twittersphäre schwirren. Folge ich jemandem, der aus irgendwelchen Gründen (Sexismus, Rassismus) gerade im Kreuzfeuer steht – ob berechtigt oder nicht! – dann bin ich offenbar auch „so einer“.

Das ist keine blanke Theorie, inzwischen nutzen viele, die sich häufig an solchen Shitstorms beteiligen, gemeinsame Blocklisten und nutzen Dienste, womit sie nicht nur einen Nutzer blocken können, sondern automatisch auch alle anderen Nutzer, die dem bösen Nutzer folgen.

Es empfiehlt sich daher, das soziale Signal „ich folge jemandem“ vom Abonnement „ich möchte seine Tweets lesen“ zu trennen. Glücklicherweise geht das.

Twitterlisten

Und es geht nicht nur, die Lösung für das „ich möchte nur lesen“-Problem ist dieselbe, wie die Lösung für das „Twitter spielt mit meiner Chronik herum“-Problem. Und zwar sind die Lösung Twitterlisten.

Listen kann jeder Twitter-Benutzer selbst anlegen. Sie können öffentlich sein. Aber warum? Am besten legt man sich private Listen an und fügt andere Twitter-Nutzer diesen hinzu.

Ein Teil meiner derzeitigen Twitter-Listen

Wenn ich eine Liste anschaue, dann erhalte ich chronologisch sortiert genau die Tweets und Retweets derjenigen Nutzer, die ich auf diese Liste gepackt habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich kann sortieren, wie immer ich mag, niemand sieht es, niemand ist beleidigt, weil er auf der „Langweiler, aber manchmal wichtig“-Liste steht.

Ich entscheide, welche Liste ich anschauen möchte. Im Moment sind Formale Methoden etwas aus dem Fokus geraten. Egal, die Liste existiert, sie stört nicht, und wenn das Thema wieder aktuell wird, ist sie vorhanden. Ich entfolge niemanden von dieser Liste, weil der ganze Formale-Methoden-Kram gerade eher nervt. Ich gucke sie einfach nicht an So kann ich Themen ein- und ausblenden.

Es bleibt ein Problem: Das User-Interface für Listen ist okay, aber nicht berauschend. Zum Glück hat Twitter noch ein weiteres User-Interface, auch im Web, auch kostenlos (noch – es gibt immer wieder Gerüchte, das solle sich ändern): Tweetdeck.

Das Tweetdeck-Interface

Hier kann ich ganz viele Spalten einrichten und mit Inhalten befüllen. Ich kann meine Drafts sehen, meine DMs, ich kann Hashtags oder Benutzern folgen – oder ich schaue Listen an. Und genau das tue ich hier.

Nun kann ich in den Spalten endlos nach unten scrollen, um all die Tweets zu sehen. Ich kann nach rechts scrollen, so viele Spalten ich eben habe.

Und ich habe Keyboard-Shortcuts!

Tastaturbedienung bei Tweetdeck

Ich kann schnell in bestimmte Spalten springen (jedenfalls die ersten neun und die letzte). Ich kann Details mit einer taste aufrufen, mit einer Taste antworten. So muß das sein!

Derzeit ist das meine absolut favorisierte Lösung für Twitter. Nach außen sehe ich völlig inaktiv aus, wie ein toter Account. Niemand folgt mir, ich folge auch niemandem. Aber in Wirklichkeit nutze ich Twitter für das, wofür es am besten ist: aus ganz unterschiedlichen Quellen schnell und ohne weiteren Verwaltungsaufwand Informationen bekommen.

Kalibriertes Schätzen: Übungen I

Wie in Kalibriertes Schätzen schon gesagt, möchte ich meine Schätzversuche hier im Weblog dokumentieren, auch wenn es peinlich werden kann.

Diesmal wurde es allerdings zum Glück nicht peinlich.

Leider ist es schwierig, an Übungsmaterial zu kommen. Sich selbst Fragen auszudenken ist offensichtlich nicht optimal. Mit einigem Abstand zwischen Aufstellen der Fragenliste und Durchführen der Übung mag es klappen, aber besser ist es natürlich, wenn man anderswoher Fragenlisten bekommt. Dann muß man eben in Kauf nehmen, daß die Fragen amerikazentrisch sind.

Die heutige Fragenliste kommt aus Douglas W. Hubbard’s „How to Measure Anything“. Und zwar aus Kapitel fünf, Seite 96. Die konkreten Fragen zeige ich nicht, ich will ja keinen Ärger mit dem Verlag bekommen. Stattdessen nur die reine Auswertung:

geschätzte untere Schrankegeschätzte obere Schranketatsächlicher Wertrichtig oder falsch
65130126richtig
160017701685richtig
243,5richtig
195019801969richtig
110017001564richtig
150080002451richtig
708078,5richtig
309088richtig
131,25richtig
1940198026.09.1964richtig
Teil Eins: Intervalle schätzen (mit 90% Konfidenz)

Es waren also alle Schätzungen richtig, zwei oder drei allerdings nur eben gerade so.

Zur Erinnerung: bei einer gewünschten Konfidenz von 90% sind idealerweise 9 Antworten richtig, eine falsch. Zehn richtige ist ein gutes Ergebnis, insbesondere wenn man die marginal richtigen mitbetrachtet.

Auf zu Teil zwei:

AntwortKonfidenzrichtig oder falsch
falsch100%richtig
wahr70%richtig
wahr100%richtig
wahr60%falsch
wahr50%richtig
wahr80%richtig
falsch60%richtig
falsch80%falsch
wahr60%falsch
wahr100%richtig
Teil Zwei: Konfidenzen schätzen

Das arithmetische Mittel der von mir angegebenen Konfidenzen beträgt 7,6. Es sollten also acht (oder auch sieben) Antworten richtig sein. Mit 7 liege ich da ganz gut.

Es fällt allerdings auf, daß sich unter den falschen Antworten eine mit immerhin 80% Konfidenz befindet. Das ist Selbstüberschätzung, die aber hier einigermaßen weggemittelt wurde.

Ein paar Fragebögen habe ich noch, die werde ich dann noch bearbeiten.

Spannend wird am Jahresende auch die Auswertung von Schätzungen für 2021, ich weiß jetzt bereits, daß ich bei einigen Schätzungen böse danebenlag und diese auch nicht mehr „heilen“ kann.

Drahtkammbinden

Spiralbindungen kennt jeder vom Collegeblock. Doch sie haben ein offensichtliches Problem:

Collegeblock

Am unteren Ende der Spiralbindung läßt sich das Papier nicht voll umschlagen und es bilden sich solche Papierwuste.

Außerdem ist die Spiralbindung auch sonst ungeschickt: sie verschiebt die aufgeschlagenen linken und rechten Seiten vertikal gegeneinander, so daß die Zeilen nicht mehr auf gleicher Höhe liegen.

Eine Drahtkammbindung löst dieses Problem, benötigt aber spezialisiertes Equipment. Denn im Gegensatz zur Spiralbindung, wo man die „fertige“ Spirale in den Papierstapel eindreht, legt man den Stapel hier in den geöffneten Drahtkamm und schließt ihn dann erst. Damit er sich gleichmäßig und knickfrei schließt, verwendet man eine Presse, nämlich die Drahtkammbindemaschine. Sie stanzt auch die notwendigen kleinen Löcher in den Papierstapel.

Vor einiger Zeit habe ich mir eine solche Maschine gebraucht gekauft. Es ist ein älteres Modell, aber hier gilt wie bei so vieleM: wenn überhaupt sind Nachfolgemodelle inkrementelle Verbesserungen, keine evolutionären Sprünge. Neuware ist auch wirklich teuer, weil sie eigentlich nie privat genutzt wird, sondern stets in „richtigen“ Büros.

Von nahem sieht die Drahtkammbindemaschine so aus:

Drahtkammmaschine

Die Skala links neben dem Anschlag in Millimeter und Inches dient dazu, die benötigte Drahtkammgröße zu ermitteln. Es gibt all diese Größen zu kaufen, ich selbst habe mir drei verschiedene Größen zugelegt.

In den Schlitz direkt vor dem Plexiglas mit der Skala dient zum Stanzen der Löcher. Der Drehknopf stellt eine Schraube an einem Schlitten fest, der den Anschlag für die Presse vorgibt. Hier muß man die verwendete Drahtkammgröße einstellen, die man zuvor an der Skala ermittelt hat. Die große dunkle Kluft darunter (und über der Kurzanleitung) ist die Stelle, wo der gesamte Papierstapel samt Drahtkamm zum Schluß eingelegt wird, um den Drahtkamm zusammenzupressen.

Das ganze Trumm wiegt knappe zwölf Kilogramm. Ernsthaft. Alles Metall. Außer dem Auffangbehälter für die Stanzreste, der ist bei meiner Maschine aus Kunststoff (bei den besseren Maschinen aber auch aus Metall).

Und so funktioniert es:

Ich habe einen Ausdruck, in diesem Fall das MiniZinc-Tutorial. Doppelseitig bedruckt sind das gute vierzig Blatt Papier. Mit meiner Maschine und den Drahtkammgrößen, die ich im Haus habe, komme ich bequem von wenigen Dutzend Blatt Papier bis zu etwa 160 Blatt.

MiniZinc-Tutorial

Neben der Maschine benötige ich vor allem den Drahtkamm. Dieser hier hat die Größe 12mm.

Drahtkammpackung
Drahtkamm

Nun lege ich alles bereit. Der Papierstapel wird auf die Rückseite gedreht.

Drahtkammbinden

Die Anleitung der Maschine, wie man das Papier einlegt, finde ich nach wie vor verwirrend.

Am besten legt man den Papierstapel so hin wie gezeigt und führt mit einer Drehbewegung dann jeweils einen kleineren Teilstapel zur Stanzöffnung. Dabei sollte man anfangs mehrfach kontrollieren, daß die Lochstanzung auf der linken Seite (der ungeradzahligen Seitenummern!) erfolgt. Dann stanzt man mit dem hinteren, langen Hebel die Löcher ins Papier.

Der Drahtkamm kann an einer Metallklappe festgeklemmt werden, so daß er nicht wegrutscht.

Drahtkammbinden

Der gerade gestanzte Teilstapel wird sinnvollerweise gleich in den Drahtkamm eingefädelt.

Drahtkammbinden

Dies wiederholt man nun so lange, bis das Papier vollständig gestanzt und eingefädelt ist.

Kontrollfrage: Welche Seite ist ganz oben und wo ist der Drahtkamm?

Antwort: Die Titelseite schaut einen oben an, und der Drahtkamm ist auf der linken Seite der Titelseite.

Wenn dem nicht so sein sollte, dann hilft nur neu ausdrucken und binden.

Ebenso stanzt man nun die Deckfolie und fädelt sie über er Titelseite ein. Und dann den Rückenkarton, und zwar mit der farbigen Außenseite nach unten, so daß die weiße Innenseite des Rückenkartons nun oben auf dem Stapel zu sehen ist.

Drahtkammbinden
Drahtkammbinden

Nun kann man den gesamten eingefädelten Stapel aus der Metallklemme ziehen und in den großen Einlaß einlegen (unter der schwarzen Lippe).

Drahtkammbinden

Mit dem kürzeren, vorderen Hebel schließt man nun den Drahtkamm. Er sieht anschließend so aus:

Man sieht, daß ich die Stellschraube etwas zu weit links eingestellt hatte, der Drahtkamm ist etwas zu weit geschlossen. Das macht in dem Maße noch nichts, aber man muß öfter mal ein wenig mit der Schraube spielen.

Nun klappt man einfach den Rückenkarton um den ganzen Drahtkamm herum nach vorne, so daß diese Verschlußstelle innen vor dem Rückenkarton verschwindet und nicht gleich ins Auge sticht.

Drahtkammbinden

Und fertig ist der drahtkammgebundene Ausdruck!

Drahtkammbinden

Wikipedia als Übersetzungshilfe

Es ist keine weltbewegende Erkenntnis, aber: mir wurde neulich klar, daß Wikipedia eine großartige kontextabhängige Übersetzungsfunktion hat. Sozusagen.

Und zwar sind die Artikel der Wikipedia-Fassungen unterschiedlicher Sprachen ja miteinander verknüpft.

Und zwar nicht einfach nur auf Ebene eines einzelnen Wortes, sondern auf Ebene des konkreten Lemmas.

Was bedeutet das?

Das Wort „Rad“ hat eine ganze Reihe von Bedeutungen. Ich kann nun im Wörterbuch unter „Rad“ nachschlagen und die richtige Übersetzung für die von mir gemeinte Bedeutung heraussuchen.

Oder ich gehe auf die entsprechende Wikipedia-Seite und schaue, wohin sie verlinkt ist.

Das Rad als „scheibenförmiger Gegenstand […] drehbar gelagert“ findet sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Rad. Ein Klick auf „English“ führt zu „wheel“: https://en.wikipedia.org/wiki/Wheel.

Das Rad als Fahrrad ist unter https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrrad zu finden und mit https://en.wikipedia.org/wiki/Bicycle verlinkt, also „bicycle“.

Und das Rad im Sinne von „Rad schlagen“ führt von https://de.wikipedia.org/wiki/Radschlag zum „cartwheel“ unter https://en.wikipedia.org/wiki/Cartwheel_(gymnastics).

Gerade bei Fachbegriffen und Spezialverwendungen wie in den Rechtswissenschaften oder der Botanik kann das sehr hilfreich sein.

Das ist aber nur der einfache Fall. Zugegebenermaßen löst den das Wörterbuch fast genauso gut.

Wirklich interessant wird es, wenn keine Eins-zu-eins-Korrespondenz zwischen Begriffen in den unterschiedlichen Sprachen existiert.

Die Einschränkung auf ein Themengebiet hilft ungemein, eine passende Übersetzung zu finden.

Angenommen, ich schriebe über das, was wir im Deutschen als „Maßregelvollzug“ bezeichnen. Das ist höchst rechtskreisspezifisch, wir können kaum erwarten, daß die Amerikaner oder die Engländer exakt dasselbe Konzept als Begriff haben.

Schauen wir in einem Wörterbuch wie LEO, so finden wir für den Maßregelvollzug keine Übersetzung. Suchen wir daraufhin nach „Maßregel“, so finden wir „reprimand“, „measure“, „care order“ oder „hospital order“. Die ersten beiden fallen offensichtlich heraus, die letzten beiden gehen inhaltlich in die richtige Richtung, aber besonders passend wirken sie auch nicht.

Ausgehend vom deutschen Wikipedia-Artikel sehen wir, daß keine englische Fassung zugeordnet ist. Aber wir sehen im Artikel selbst verschiedene Arten des Maßregelvollzugs. Die besonders wichtigen sind die Sicherungsverwahrung und die Unterbringung in einem Psychiatrischen Krankenhaus.

Über das Psychisch-Kranken-Gesetz finden wir zur Unterbringung, und mittels des Links zum Englischen schließlich zum „involuntary commitment“. Ein deutlich besserer Begriff als „hospital order“.

Der Traum ontologisch kategorisierter Datenbanken von Begriffen wird in der Wikipedia verwirklicht. Ganz ohne RDF, OWL und das Semantic Web, einfach nur durch zig-tausende Freiwillige, die Begriffe einander so trennscharf wie möglich zuordnen. Und das Ergebnis ist richtig nützlich!

Schätzungen für 2021

In Kalibriertes Schätzen habe ich gezeigt, wie man üben kann, seine Schätzungen zu verbessern. Also frisch ans Werk!

  • Die Werbeeinnahmen auf www.schoene-kinderbuecher.de decken die Hostingkosten (abgeschätzt mit 30 Euro im Jahr): 60%
  • Ich nehme 20kg ab: 30%
  • Ich nehme 10kg ab: 70%
  • Ich meditiere regelmäßig: 30%
  • Ich werde Vegetarier: 10%
  • Vollständiges Home-Office findet ein Ende: 90%
  • Ich erhalte meine Covid19-Impfung: 90%
  • Söder wird Kanzlerkandidat der Union: 60%
  • Söder wird Kanzler: 40%
  • Röttgen wird Parteivorsitzender der CDU: 20%
  • Merz wird Parteivorsitzender der CDU: 40%
  • Laschet wird Parteivorsitzender der CDU: 30%
  • Spahn wird Parteivorsitzender der CDU: 10%
  • Die SPD erhält bei den Bundestagswahlen mehr Stimmen als die AfD: 70%
  • Ein Politiker (den ich vor dem Skandal bereits namentlich kannte) hat einen Kinderpornoskandal: 10%
  • Papst Franziskus lebt: 70%
  • Ich blogge jeden Monat mindestens zwei Artikel auf www.thomas-huehn.de: 70%
  • Ich nehme in jeder Kursphase an einem Lindyfeld-Kurs teil: 30%
  • Ich fahre zu einer anderen Szene zum Social Dance: 20%
  • Ich fahre zu einer anderen Szene zum Workshop: 20%
  • Ich schließe den Blender-Launchpad-Kurs ab: 90%
  • Ich arbeite den Softwarehierarchieteil von nand2tetris durch: 80%
  • Ich arbeite den Mastery-with-SQL-Kurs ein weiteres Mal durch: 70%
  • Ich kann ein einfaches 3D-Modell selbständig und ohne Tutorial in Blender 3D erstellen: 70%
  • Ich arbeite mich in TLA+ ein: 60%
  • Ich benutze TLA+ bei der Arbeit: 30%
  • Schottland stimmt in einem Unabhängigkeitsreferendum (egal, ob von Westminster anerkannt) für die Abspaltung: 60%
  • Tesla erreicht voll-autonomes Fahren (Level 5): 5%
  • Kim Jong Un ist weiterhin an der Macht: 80%
  • Eine neue Partei kommt in den Bundestag: 10%
  • Es gibt einen Terroranschlag in Deutschland mit mehr als 1000 Toten: 10%
  • Ich ziehe mich während des Jahres noch einmal von Hacker News zurück (ob dauerhaft oder vorübergehend): 30%
  • Ich habe 20 Follower auf Twitter: 10%
  • Der DAX schließt höher als 2020: 60%
  • Ein Ereignis tritt ein, daß mich unerwartet mindestens 20000 Euro kostet (keine eigenen Entscheidungen wie Autokauf): 5%
  • Ein Ereignis tritt ein, daß mir unerwartet mindestens 20000 Euro einbringt: 5%
  • Ich benutze den Instant Pot noch regelmäßig für Hauptgerichte: 90%
  • Ich benutze den Instant Pot noch regelmäßig für Joghurt: 80%
  • Wir fahren nach Ameland: 80%
  • Ich habe mein eigenes Kochbuch zusammengestellt, physisch ausgedruckt und in Verwendung: 70%
  • Wir backen wieder ein Lebkuchenhaus: 60%
  • Crusader Kings III spiele ich immer noch: 70%
  • Ich kaufe eine Nintendo Switch: 70%
  • Mein Backofen oder Herd benötigen wieder einen Servicetechniker: 60%
  • Ich habe einen stationären Krankenhausaufenthalt: 10%
  • Ich publiziere einen Artikel in einer Zeitschrift: 60%

Nun noch ein paar zensierte Vorhersagen oder Schätzungen, die andere Personen betreffen oder aus anderem Grund „sensibel“ sind:

  • […]: 40%
  • […]: 10%
  • […] stirbt: 10%
  • Ich breche […] ab: 40%
  • Ich bestehe […]: 70%
  • Ich […]: 10%

Die Auswertung erfolgt dann Ende des kommenden Jahres. Ich bin gespannt.